Verletzungen beim Skifahren

Die 6 häufigsten Verletzungen beim Skifahren – und wie man sie vermeidet

Es ist keine Neuigkeit, dass das Skifahren eine Sportart mit häufigen Verletzungen ist. Das war nämlich „schon immer so“. Trotzdem gibt es eine gute Nachricht: Die Zahl der Unfälle nimmt kontinuierlich ab, was nicht nur einem rücksichtsvolleren Miteinander zu verdanken ist, sondern vor allem dem verbesserten Equipment.

Mit den veränderten Voraussetzungen hat sich auch die Art der häufigen Verletzungen beim Skifahren verändert: Früher gab es beispielsweise erheblich mehr Beinbrüche, deren Anzahl durch höhere Skischuhe und verbesserte Sicherheits-Skibindungen deutlich minimiert werden konnte. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass nun Entwarnung gegeben wäre.

Neben höheren Sicherheitsvoraussetzungen ermöglichen die verbesserten Skiausrüstungen nämlich auch höhere Fahrgeschwindigkeiten, die das Unfallrisiko selbst natürlich wiederum erhöhen. Somit sind Stürze aufgrund zu hoher Geschwindigkeit heute die mit Abstand häufigste Unfallursache auf alpinen Pisten. Kein Wunder: Schließlich kann schon der kleinste Balanceverlust zu einem heftigen Sturz führen.

Darüber hinaus hat – neben den zunehmend härteren Kunstschneepisten – auch die steigende Frequenz auf den Pisten einen Einfluss auf das Unfallrisiko: So ist das Kollidieren zweier Skifahrer die zweithäufigste Unfallursache der Skiunfälle, Tendenz (trotz generell sinkender Unfallzahlen) leider steigend. Was nicht nur an einem erhöhten Verkehr auf der Piste liegt, sondern vor allem an den schnelleren Geschwindigkeiten.

Damit Sie gewarnt sind, informiert die AOK PLUS über die 6 häufigsten Verletzungen beim Skifahren – und wie Sie diese vermeiden können:

1. Knieverletzungen – die häufigste Unfallverletzung beim Skifahren

Auch wenn es nicht nur durch einen Unfall zu Knieschmerzen nach dem Skifahren kommen kann: Die häufigste Unfallursache beim Skifahren ist wie gesagt der Sturz. Wenn Skifahrer stürzen, fallen sie in der Regel seitlich oder rückwärts. Dabei erhöhen Ski, Stiefel und Bindungsvorrichtungen die Drehbelastung auf das Knie.

Noch gravierender ist es übrigens, wenn der Sturz aus dem freien Stand geschieht und die Bindung nicht aufgeht: In diesem Fall wirken noch größere Hebelkräfte und können zu schweren Knieverletzungen führen.

So leidet rund ein Drittel aller Skipatienten unter einer Knieverletzung (z. B. Außenbänder, Innenbänder, Meniskus), wobei es sich meist um Verletzungen des Kreuzbandes handelt (siehe auch Skifahren nach Kreuzbandriss). Solcherlei Verletzungen entstehen, wenn sich Ober- und Unterschenkel ineinander verdrehen. Was übrigens nicht nur bei einem Sturz passieren kann, sondern auch bei dem Versuch, einen solchen zu verhindern.

Verletzungen Skifahren
6 häufige Verletzungen beim Skifahren – und was Sie zur Vorbeugung sowie Behandlung tun können: Die AOK PLUS bietet wertvolle Informationen für Skiurlauber.

Warum sind Frauen häufiger von Verletzungen beim Skifahren betroffen als Männer?

Während „nur“ jeder vierte Mann von Knieverletzungen beim Skifahren betroffen ist, ist es bei den Frauen fast jede zweite. Das liegt nicht etwa an einem risikofreudigeren oder „schlechteren“ Fahrverhalten der weiblichen Unfallopfer, sondern schlicht an unterschiedlichen anatomischen Voraussetzungen: Männer neigen nämlich genetisch bedingt zu O-Beinen und Frauen zu X-Beinen. Eine X-Bein-Stellung jedoch erschwert dem Körper das Gegenhalten, wenn er ins Stürzen gerät und – durch die fest mit den Skiern verbundenen Füße – über das Knie drehend zu Boden fällt.

2. Verletzungen am Schultergelenk & Schulterprellungen beim Skifahren

Rund ein Viertel der Skiverletzungen ereignet sich in der Schulterregion: Häufige Verletzungen beim Skifahren sind Brüche des Schlüsselbeins, Knochenabsplitterungen oder eine ausgekugelte Schulter. Eine solche Verletzung oder auch Schulterprellung ist häufig Folge einer Kollision bei hoher Geschwindigkeit und somit immer durch eine (zu) rasante Fahrweise bedingt. Was auch erklärt, dass jeder dritte bis vierte Mann, aber nur jede siebte Frau betroffen ist, da sich die Damen auf der Piste im Allgemeinen defensiver verhalten als die Herren.

3. Kopfverletzungen

Ob durch Stürze oder Zusammenstöße: Innere oder äußere Verletzungen im Kopfbereich (Nasenbluten, Schürfwunden, Gehirnerschütterungen, Traumata) können gravierend sein – bis hin zum Schädelbruch. Ein Schutzhelm als Kopfschutz ist – neben einem vernünftigen und vorausschauenden Fahrverhalten – die beste Prävention.

4. Rumpfprellungen

Jeder fünfte Mann, aber nur knapp jede zwölfte Frau ist von Rumpfverletzungen (wie Prellungen, Schlüsselbein- oder Rippenbruch) betroffen. Diese entstehen sowohl durch Stürze als auch Kollisionen.

5. Hüfte und Oberschenkel

Auch wenn die Anzahl der Beinbrüche aufgrund verbesserter Skibindungen kontinuierlich zurückgeht: Nach wie vor kommt es bei Stürzen auf der Piste immer wieder zum Bruch der Oberschenkelknochen.

6. Unterschenkel

Da sowohl die Sprunggelenke als auch die Unterschenkel durch die erhöhten Skistiefel ziemlich gut geschützt werden, nehmen Verletzungen in diesem Bereich nur einen relativ kleinen Prozentsatz ein.

Last but not least: der berühmt-berüchtigte Skidaumen

Der sogenannte Skidaumen macht zwar „nur“ etwa 1% aller Skiverletzungen aus, ist aber ein echter Klassiker und eine der häufigeren Unfallfolgen beim Langlauf: Langläufer fallen beim Stürzen eher nach vorn und stützen sich mit den Händen ab. Wenn sich jedoch noch der Skistock darin befindet, wird der Daumen beim Aufkommen nach hinten weggedrückt. Das kann zum Reißen des Seitenbandes führen, so dass eine Operation, Therapie oder Behandlung notwendig wird. Das tapen vorab kann jedoch einiges verhindern.

Gut zu wissen:

Selbst wenn Sie nicht persönlich in einen Unfall verwickelt sind, können Sie dennoch betroffen sein. Denn wer Zeuge eines Unfalls wird, ist zum Helfen verpflichtet: Zuallererst die Unfallstelle absichern, sich ein Bild über die Verletzten/Verletzungen machen, professionelle Hilfe rufen und bis zum Eintreffen der Sanitäter bzw. Ärzte Erste Hilfe leisten.

Besonders gefährlich: Der verflixte dritte Tag des Skiurlaubs

Die meisten Unfälle ereignen sich in den ersten Urlaubstagen durch die ungewohnte Belastung, die ungewohnte Höhe, die ungewohnte Witterung und die noch fehlende Routine. Zumal viele in ihrer anfänglichen Begeisterung zur Selbstüberforderung oder Selbstüberschätzung neigen. Insbesondere der dritte Tag gilt als sehr gefährlich, da die Muskulatur durch die meist ungewohnte Bewegung ermüdet und die anfängliche Motivation einer Erschöpfung weicht. Es empfiehlt sich also, den verflixten dritten Tag nicht auf der Piste zu verbringen: Lassen Sie sich lieber im Wellnessbereich Ihres Hotels verwöhnen und gönnen Sie Ihrem Körper eine kleine Auszeit. Oder entdecken Sie – am besten zusammen mit der ganzen Familie – die Sehenswürdigkeiten Ihres Ferienortes und/oder der Umgebung!

Achtung, erhöhtes Verletzungsrisiko!

Selbstverständlich besteht nicht nur am dritten Urlaubstag ein erhöhtes Unfallrisiko. Auch andere Umstände tragen zu häufigen Verletzungen oder Unfällen bei. Zum Beispiel:

  • Ermüdung: Ein großer Teil der Skiunfälle ereignet sich dann, wenn viele schon ein bisschen müde sind. So besteht bereits kurz vor der Mittagessenszeit ein erhöhtes Risiko, wobei die meisten Unfälle tatsächlich gegen Ende des Tages passieren.
  • Untrainiertheit: Ein unzureichend trainierter Körper ermüdet nicht nur schneller, sondern kann sich auch negativ auf die Technik auswirken.
  • Kontrollverlust: Ob durch zu schnelles Tempo, Alkoholeinfluss, technisches Unvermögen, zu wenig Fahrpraxis, Ermüdungserscheinungen oder einfach nur Übermut – wer die Kontrolle verliert, ist von einem Sturz oder einer Kollision oft nicht weit entfernt.
  • Ausrüstungsdefekt: Nicht nur eine fehlerhafte/beschädigte Skiausrüstung erhöht die Unfallgefahr, sondern auch eine ungeeignete. Zum Beispiel, wenn Anfänger sich eine Ausrüstung für Fortgeschrittene zulegen und diese nicht kontrollieren können.
  • Äußere Umstände – wie starker Schneefall, Nebel, matschiger Schnee, überfüllte Pisten oder andere Skifahrer vom unsicheren Anfänger bis zum rücksichtslosen Raser.

Übrigens, unabhängig von den vorgenannten Punkten: Als besonders gefährdet gelten junge Pistenbenutzer, Untrainierte und Skifahrer ab dem 45. Lebensjahr. Und alle, die sich nicht an die folgenden Regeln halten:

Wie kann man die Verletzungsgefahr beim Skifahren minimieren?

Vorbeugen ist bekanntlich besser als heilen. Das gilt selbstverständlich auch auf der Piste. Vor allem in Anbetracht dessen, dass die meisten Skiunfälle selbstverschuldet sind. Damit Sie Ihren Aufenthalt im Schnee rundum genießen können und gesund wieder zurückkommen, hat die AOK PLUS wertvolle Tipps für Sie zusammengestellt. Wenn Sie diese beherzigen, haben Sie die besten Voraussetzungen für einen rundum perfekten Skiurlaub und vermeiden unnötige Verletzungen:

  • Grundvoraussetzung Fitness: Treiben Sie das ganze Jahr über regelmäßig Sport – Herzkreislauftraining für die Ausdauer, Intervalltraining, Dehnübungen und Muskeltraining, insbesondere der Bauch-, Rücken- und natürlich Beinmuskulatur (Kniebeugen, Beindrücken, Treppensteigen). Damit können Sie Verletzungen sehr gut vorbeugen und vielen häufigen Verletzungen aus dem Weg gehen
  • Vorbereitung auf den Skiurlaub mit spezieller Skigymnastik: Am besten drei Monate vor Reisebeginn die Trainingsintensität erhöhen, spezielle Skigymnastikübungen machen, ggf. durch Fallübungen ergänzen
  • Kondition steigern – mit Wandern, Joggen, Radfahren, Schwimmen & Co.
  • Aufwärmen vor dem Skifahren: Muskeln warm machen, Kreislauf in Schwung bringen. Damit können Sie vor allem Zerrungen effektiv vorbeugen
  • Rücksichtnahme auf der Piste: Achten Sie nicht nur auf sich, sondern auch auf andere
  • Langsam angehen lassen: Starten Sie auf leichten Pisten, legen Sie genügend Pausen ein, machen Sie in den ersten Tagen früher Schluss und ruhen Sie sich nach dem Skifahren gut aus
  • Tempo und Schwierigkeitsgrad der Abfahrten langsam steigern
  • Skikurs: Frischen Sie Ihre Kenntnisse auf und lassen Sie sich von Profis helfen, falls Sie Unsicherheiten beim Fahren verspüren
  • Keine Selbstüberschätzung: Lassen Sie sich niemals zu riskantem Fahrverhalten verleiten, auch wenn breite Carving-Ski und gut präparierte Pisten ein starkes Sicherheitsgefühl vermitteln
  • Genug Schlaf: Ausgeschlafen zu sein ist die beste Voraussetzung für Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen
  • Essen & Trinken: Nehmen Sie leichte Kost und ausreichend Flüssigkeit zu sich, aber natürlich keinen Alkohol
  • Kein Alkoholkonsum auf der Piste: Das Trinken von Alkohol ist beim Skifahren ebenso unangebracht wie beim Autofahren
  • Realistische Selbsteinschätzung: Bitte überschätzen Sie nicht Ihre Fähigkeiten, damit Sie sich auf der Piste nicht übernehmen
  • Skibindung – nur eine perfekt sitzende und funktionsfähige verwenden. Apropos:

Gehen Sie niemals ohne die richtige Schutzausrüstung auf die Piste

Gilt für Kinder wie Erwachsene: Eine hochwertige und vor allem komplette Schutzausrüstung sollte beim Skifahren eine Selbstverständlichkeit sein und kann eine Verletzung bei einem Skiunfall vermeiden. Dazu gehören:

  • Sturzhelm/Skihelm – gehört zur Standardausstattung, um Kopfverletzungen wie eine Gehirnerschütterung oder Platzwunde zu verhindern oder deren Schweregrad abzumildern
  • Handgelenkschützer
  • Skistöcke vom neuesten Modell: Da der Griff des Skistocks kontinuierlich verbessert wird, kann das Risiko von Daumenverletzungen wie dem Skidaumen mit dem Kauf neuer Skistöcke gesenkt werden
  • Skibindungen regelmäßig überprüfen: Viele Knieverletzungen treten nur deshalb auf, weil die Bindungen beim Sturz nicht aufgegangen sind
  • Rückenprotektoren zum Schutz des Rücken- und Rumpfbereichs erfreuen sich vor allem bei den Herren großer Beliebtheit

Denn nicht vergessen: Vorsicht ist besser als Verletzungen!

Für den Fall der Fälle: Reisekrankenversicherung abschließen

Ganz unabhängig davon, ob Sie schnelle Abfahrten lieben, Skilanglauf bevorzugen oder in Ihrem Schneeurlaub lieber durch beschauliche Schneelandschaften spazieren: Alle Wintersporturlauber sollten vor Reiseantritt in den Schnee eine private Reisekrankenversicherung abschließen. Denn auch wenn die meisten Skireisen innerhalb der EU stattfinden, wo die heimische Krankenversicherung für die Kosten medizinischer Behandlungen aufkommen muss: Eventuell erforderliche Bergungskosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse grundsätzlich nie übernommen.

Auch ein möglicherweise notwendiger Krankenrücktransport aus dem Skiurlaub per Ambulanzflug, dessen Kosten leicht in den sechsstelligen Bereich gehen können, wird nur durch eine spezielle Reiseversicherung abgedeckt.

Die AOK PLUS wünscht Ihnen und Ihren Mitreisenden viel Spaß auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“: Kommen Sie gut hin und zurück!