Skifahren nach Kreuzbandriss

Skifahren nach Kreuzbandriss: Alles, was Sie wissen sollten

So viel Spaß das Skifahren im Winterurlaub auch macht: Der beliebte Alpinsport gehört zu den Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko. Vom Sturz bis zur Kollision mit einem anderen Skifahrer: Die meisten Skiverletzungen werden durch Unfälle verursacht. Bei etwa einem Drittel aller Verletzungen durch Skiunfälle sind die Knie und Bänder betroffen. Diese sind beim Skifahren extrem hohen Belastungen ausgesetzt. Insbesondere, wenn es zu einem Sturz auf der Piste kommt: Wenn Skifahrer stürzen, fallen sie meist zur Seite oder – noch häufiger – nach hinten. Dabei wirken große Hebelkräfte auf das Gelenk ein, da die Drehbelastung auf das Knie durch Bindungsvorrichtungen, Ski und Stiefel noch vergrößert wird. Somit ist ein Rückwärtssturz die häufigste Ursache für einen Kreuzbandriss, der übrigens zu den häufigsten Verletzungen beim Skifahren im Winterurlaub gehört. Hierbei handelt es sich meist um das vordere Kreuzband.

Was sind die Kreuzbänder – und welche Funktion haben sie?

Das Kniegelenk, das übrigens das größte Gelenk im menschlichen Körper ist, wird bei allen aufrechten Bewegungen stark durch das Körpergewicht belastet. Dies gilt in verstärktem Maße beim Skifahren, da die Knie zahlreiche Aufgaben zu bewältigen haben, während von außen hohe Kräfte auf sie einwirken.

Für die nötige Stabilisierung des Knies sorgen sogenannte Bänder, die bei ihrer Arbeit von Muskeln und Menisken unterstützt werden: Diese Bänder teilen sich auf in Seiten- und Kreuzbänder.

Die Seitenbänder befinden sich – wie der Name bereits vermuten lässt – an den Seiten und verhindern eine Verdrehung des Knies bei gestrecktem Kniegelenk.

Die Kreuzbänder hingegen verlaufen quer durch das Kniegelenk und überkreuzen sich dabei: Während das vordere Kreuzband von „hinten oben“ nach „vorn unten“ verläuft, positioniert sich das hintere Kreuzband von „vorn oben“ nach „hinten unten“.

Die beiden Kreuzbänder haben eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: Sie sind es, die bei gebeugten Knien dafür sorgen, dass die Gelenkflächen der Ober- und Unterschenkelknochen die richtige Position zueinander annehmen und nicht abrutschen können. Auch die Rotation des Knies wird durch die Kreuzbänder ermöglicht, indem diese voneinander weichen oder sich überkreuzen. Somit sind die Kreuzbänder beim Skifahren also permanent in Aktion.

Wie kann es zu einem Kreuzbandriss beim Skifahren kommen?

Auch wenn sowohl das vordere als auch das hintere Kreuzband reißen kann: Im Zuge eines Unfalls beim Skifahren ist es fast immer das vordere. Die Länge der Skier wirkt beim Umfallen wie ein Hebel: Der Unterschenkel dreht sich nach außen, während der Oberschenkel in seiner geraden Position verbleibt (extreme X-Bein-Stellung). Dadurch wird das Knie so stark verdreht, dass es zu einem Riss (Läsion oder Ruptur genannt) kommt. Was übrigens nicht nur bei schneller Fahrt passieren kann, sondern auch bei niedrigen Geschwindigkeiten und sogar beim Umfallen aus dem Stand.

Weitere Ursachen für eine vordere Kreuzbandverletzung können sein:

  1.  Slip-Catch: Wenn der Skifahrer kurzfristig die Belastung des Außenskis verliert und dieser vom Körperschwerpunkt abdriftet (Slip), woraufhin das Außenbein belastet wird und der Ski abrupt auf der Innenkante greift (Catch). Dadurch werden Kräfte frei, die zu einem sogenannten Highsider führen können. Doch auch ohne Sturz kann der Slip-Catch beim Skifahren Verletzungen verursachen, da die frei werdenden Kräfte eine Beugung des gestreckten Kniegelenks mit gleichzeitiger Innenrotation und X-Bein-Stellung bewirken.
  2.  Dynamic Snowplough Turn (= dynamische Schneepflugdrehung): Bei dieser – auch als Keildrehung oder Pizzascheibe bezeichneten – Bremstechnik werden die vorderen Skispitzen zusammen geführt, während die hinteren Enden weit gespreizt werden, so dass die Knie leicht nach innen gerollt sind.
  3.  Landung nach einem Sprung mit einer kurzfristigen unkontrollierten Rücklage, die eine Quadriceps-Aktivierung und damit eine ungewöhnliche Übersetzung des Schienbeinkopfes verursacht.

Symptome: Wie äußert sich ein Kreuzbandriss – und was ist zu tun?

Manchmal ist beim Reißen des Kreuzbandes eine Art Knall zu hören. Aber auch ohne wahrnehmbares Geräusch kann eine Kreuzbandruptur erfolgen. Bemerkbar macht sich eine solche in der Regel schon kurz nach dem Reißen durch Symptome wie starke Schwellungen und Schmerzen. In diesem Fall sollte man so schnell wie möglich auch im Skiurlaub einen Arzt aufzusuchen. Erstens, um eine genaue Diagnose zu bekommen. Und zweitens, um – ggf. per Kernspintomographie (MRT) – feststellen zu lassen, ob noch weitere Verletzungen aufgetreten sind.

Skifahren nach Kreuzbandriss
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Zum Beispiel eine Kombinationsverletzung aus Kreuzbandriss, Innenbandriss und Meniskusschaden: Diese Dreifachverletzung ist bei Skifahrern keine Seltenheit und wird „Unhappy Triad“ (unglückliche Triade) genannt.

Es kann allerdings auch passieren, dass ein Kreuzbandriss so schmerzfrei verläuft, dass er gar nicht als solcher erkannt wird. Oder erst nach Jahren. Nämlich dann, wenn sich aufgrund einer nicht diagnostizierten und somit nicht behandelten Ruptur Verschleißerscheinungen am Meniskus oder am Knorpel bemerkbar machen.

Wie werden Kreuzbandrisse behandelt?

Ein Kreuzbandriss muss zwar nicht zwingend operiert, aber auf jeden Fall in Form von einer Reha behandelt werden. Denn ohne korrekte Behandlung kann es zu einer Instabilität des Gelenks kommen, die zu einer Fehlbelastung führen könnte. Diese wiederum begünstigt die Entstehung von Arthrose, die sich dann als Spätfolge des nicht korrekt ausgeheilten Kreuzbandrisses präsentiert.

Oftmals reicht zur Behandlung eine konservative Therapie: In diesem Fall bekommt der Patient anstelle einer OP zunächst eine Knieorthese, damit das Kniegelenk stabilisiert und entlastet wird. Auch Physiotherapie wird verordnet, so dass die kniestabilisierenden Muskeln ganz gezielt trainiert werden können. Im Normalfall ist das Knie nach sechs Wochen wieder normal belastbar und der Patient wieder arbeitsfähig. Nach spätestens zwölf Wochen sollten auch sportliche Aktivitäten wieder ohne Probleme durchführbar sein. Aber bitte erst nach Rücksprache mit dem Arzt!

Eine Kreuzbandrissoperation ist ein Routineeingriff

Bei der Frage, ob eine Kreuzbandrissoperation durchgeführt werden soll oder nicht, spielen neben der Schwere der Verletzung weitere Faktoren wie z. B. das Alter des Patienten eine Rolle. Grundsätzlich wird bei jungen, sportlich sehr aktiven Patienten eher operiert als bei älteren. Ob eine Operation wirklich sinnvoll/empfehlenswert ist, kann natürlich nur individuell entschieden werden.

Wenn eine Operation durchgeführt werden soll, wird in der Regel erst das Abschwellen der Schwellungen abgewartet, welches ggf. durch entzündungshemmende Medikamente unterstützt wird. Das kann durchaus einige Wochen dauern, so dass der operative Eingriff im Normalfall frühestens sechs Wochen nach dem Unfall erfolgt. Viele Operationen finden auch erst Monate später statt, was im Übrigen keine Nachteile mit sich bringt. Wie viel Zeit zwischen Unfall und operativem Eingriff vergeht, ist für das Operationsergebnis nicht entscheidend.

Anders verhält es sich bei komplexeren Verletzungen, z. B. wenn auch der Meniskus verletzt ist: Bei einem „Unhappy Triad“ beispielsweise darf mit dem Operieren nicht gewartet werden.

Doch unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt operiert wird: Im Anschluss muss immer eine physiotherapeutische Nachbehandlung durchgeführt werden. Auch ein Ablegen der stabilisierenden Bandage sollte immer erst nach Absprache mit dem Arzt und Physiotherapeuten erfolgen. Denn: Eine zu frühe Vollbelastung des Knies kann nicht nur den Heilungsprozess behindern, sondern darüber hinaus ein erneutes Verletzungsrisiko steigern.

Kann man mit einem Kreuzbandriss Skifahren – und wenn ja: ab wann?

Die gute Nachricht lautet: Ja, auch Skifahren mit Kreuzbandriss ist möglich. Die Diagnose Kreuzbandriss muss glücklicherweise also nicht das generelle Aus einer „Skifahrerkarriere“ bedeuten. Dennoch sind Skifahrer mit Kreuzbandriss anfälliger für erneute Verletzungen in diesem Bereich als solche, die noch keine Knieprobleme hatten. Nach einem Kreuzbandriss und dessen Behandlung kann das Kniegelenk – insbesondere nach konservativer Therapie ohne OP – nämlich an Stabilität verlieren. Insofern sollten Sie unbedingt die folgenden Punkte beachten, bevor Sie nach einer Kreuzbandläsion wieder auf Ihre Bretter steigen (Return to Ski) und die Pisten im Skiurlaub unsicher machen :

  1. Erst nach Reiz- und Beschwerdefreiheit wieder auf die Piste
  2. Die volle Beweglichkeit des Knies muss wiederhergestellt sein
  3.  Im Vorfeld unbedingt Muskelwiederaufbau betreiben
  4. Kompressionsbandage tragen
  5. Vorsichtig starten und nur langsam steigern

Was können Sie vorbeugend gegen die Gefahr eines Kreuzbandrisses beim Skifahren tun?

Schmerzen, Behandlung, Rehabilitation und eventuell sogar noch jahrelange Instabilität, Bewegungseingeschränktheit oder andere Folgeschäden – keine Frage: Der beste Kreuzbandriss ist der, den man nicht hat. Deshalb gilt auch in dieser Hinsicht selbstverständlich die Devise: Vorbeugen ist besser als (Verletzungen erleiden und) heilen.

Doch kann man vorbeugend überhaupt etwas gegen einen Kreuzbandriss tun? Und wenn ja, was? Die Antwort lautet: Sogar einiges. Und das meiste ist gar nicht so schwer umzusetzen:

  1. Fitness & Kondition: Wer den Körper rechtzeitig vor dem Skiurlaub auf die Belastungen vorbereitet, erhöht nicht nur den Spaß auf der Piste, sondern verringert gleichzeitig das Unfallrisiko. Ausdauertraining für die Kondition, Muskeltraining für den Muskelaufbau, Skigymnastik für die ungewohnten Bewegungen.
  2. Sturztraining: Üben Sie das Fallen. Erstens, weil sie dadurch eine bessere Falltechnik erlernen. Und zweitens, weil sie dadurch weniger Angst davor bekommen und unverkrampfter bei einem Sturz auf die Piste zu Boden gehen.
  3. Ausrüstung überprüfen: Vom Skistiefel bis zur Bindung – die Skiausrüstung sollte immer auf dem neuesten Stand sein und optimal auf den Skifahrer angepasst werden.
  4. Kniebandage: Kann nicht nur nach Verletzungen oder bei Knieschmerzen eine hilfreiche Stabilisierung sein, sondern auch vorbeugend getragen werden, um Überbelastungen zu vermeiden.
  5. Gelenke aufwärmen: Kalte Gelenke vergrößern das Unfallrisiko. Deshalb sollten die Gelenke vor der Abfahrt warm gemacht werden. Im Zweifelsfall einfach die Skier abschnallen und ein wenig herumlaufen.
  6. Breitbeinig fahren: Die Ausrichtung der Beine ist für die Fahrtechnik entscheidend. Breitbeiniges Fahren erhöht die Stabilität und minimiert somit das Verletzungsrisiko.
  7. Nur wach und fit fahren: Müdigkeit ist häufig die Ursache für einen Kreuzbandriss oder ähnliche Skiunfälle auf der Piste, weil sie zu Unkonzentriertheit führt – und die wiederum kann leicht zu einem Unfall führen. Legen Sie deshalb ausreichend Pausen ein und machen Sie bei Erschöpfung lieber „Schluss für heute“. Besonders die letzte Fahrt des Tages birgt erfahrungsgemäß viele Gefahren, weil viele Skifahrer dabei mental schon beim Après-Ski sind und dadurch unvorsichtiger werden.
  8. Und last but not least: Passen Sie Ihre Geschwindigkeit und Ihre Fahrweise stets den aktuellen Umständen an. Wobei dies eine der FIS-Regeln für sicheres Skifahren (VERLINKUNG) ist und somit sowieso eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Kreuzbandriss beim Skifahren im Urlaub: Im Fall der Fälle hilft eine Reisekrankenversicherung

Selbstverständlich kann es im Skiurlaub trotz aller Vorsicht zu Verletzungen oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bzw. Beschwerden kommen. Deshalb empfiehlt sich der Abschluss einer speziellen Reiseversicherung vor Reiseantritt. Denn auch wenn alle gesetzlich Krankenversicherten innerhalb der EU – zu der die Alpenländer bekanntlich gehören – grundsätzlich durch ihre heimische Krankenkasse abgesichert sind: Nicht alle eventuell notwendigen Leistungen sind durch die gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt. So werden z. B. die Kosten für Bergung oder Krankenrücktransport bei einem Skiunfall nicht übernommen und stellen somit ein großes finanzielles Risiko dar. Eine private Reisekrankenversicherung hingegen ist für wenige Euro zu haben. Also am besten gleich nach Buchung des Winterurlaubs abschließen!