Krankheit & Behandlung

Mit Erkältung fliegen – was kann passieren?

Mit Erkältung fliegen – was kann passieren? Wichtige Informationen über Druckausgleich & Co.

Keine Frage: Es ist mehr als nur ärgerlich, eine – womöglich sorgfältig geplante, schon lange gebuchte und bereits bezahlte – Flugreise plötzlich nicht antreten zu können. Dennoch hat man manchmal einfach keine Wahl, da man bei schweren Erkrankungen besser nicht in den Flieger steigen sollte. Nicht nur aus Rücksichtnahme auf die Mitreisenden, sondern auch zum Schutz der eigenen Gesundheit.

Auch wenn die Entscheidung gewiss nicht leicht fällt, eine wohl verdiente Urlaubsreise zu stornieren und – womöglich sogar trotz abgeschlossener Reiserücktrittskostenversicherung – auch noch finanzielle Verluste hinnehmen zu müssen: Im Zweifelsfall ist es immer noch besser, einfach „nur“ Geld zu verlieren als schwer wiegende oder gar dauerhafte gesundheitliche Folgen zu riskieren.

Aber trotzdem: Wer käme schon auf die Idee, wegen eines „harmlosen, lächerlichen“ Schnupfens auf die langersehnten Urlaubsfreuden zu verzichten? Ist es aus medizinischer Sicht wirklich erforderlich, aufgrund einer Erkältung einen Flug abzusagen – oder vielleicht doch nur „hypochondrische Hysterie“? Damit Sie im Falle eines grippalen Infekts das Pro und Contra abwägen und „die richtige“ Entscheidung treffen können, bietet dieser Artikel viele wichtige Informationen zum Thema „Mit Erkältung fliegen“.

Was passiert beim Fliegen eigentlich im Körper?

Beim Fliegen ist der Körper – ähnlich wie beim Tauchen – sich schnell verändernden Druckverhältnissen ausgesetzt. Das äußert sich besonders in den Ohren: Diese reagieren zuweilen sehr empfindlich auf den veränderten Luftdruck. Genauer gesagt ist es das Mittelohr: Diese luftgefüllte Höhle wird vom Trommelfell begrenzt und ist über die eustachische Röhre mit dem Rachenraum verbunden.

Diese Eustachi-Röhre, die auch als Ohrtrompete bezeichnet wird, dient der Belüftung des Mittelohrs und damit dem Druckausgleich: Durch Kauen, Schlucken oder auch Gähnen wird die Eustachi-Röhre geöffnet und geschlossen, so dass Luft hineingelangen kann. So wird dafür gesorgt, dass die Druckverhältnisse im Mittelohr sich immer den aktuellen äußeren Druckverhältnissen anpassen. Das ist wichtig, damit das Trommelfell frei schwingen kann. Denn ohne die freien Schwingungen des Trommelfells könnte der Mensch nicht hören.

Da sich die äußeren Druckverhältnisse beim Starten und Landen eines Flugzeugs durch den schnellen Höhenwechsel extrem schnell ändern, hat das Mittelohr zuweilen Probleme mitzuhalten. Deshalb wird empfohlen, während des Steige- und Sinkflugs Kaugummi zu kauen: Das beständige Kauen hilft dabei, die Arbeit der Eustachi-Röhre effektiv zu unterstützen. So kann man für den nötigen Druckausgleich sorgen und den unangenehmen Druck auf den Ohren wegbekommen.

Bei vollen Nasennebenhöhlen gibt’s was auf die Ohren!

Wenn Sie mit einer Erkältung fliegen, kann die Eustachi-Röhre zuschwellen. Geschieht dies nur leicht, kann der Druckausgleich durch Gähnen oder Naseschnauben wieder herbei geführt werden. Noch hilfreicher ist ein aktiver Druckausgleich durch das sogenannte Vasalva-Manöver: Mund schließen, Nase zuhalten und Druck aufbauen, indem man durch die (geschlossene) Nase auszuatmen versucht.

Ist die Ohrtrompete jedoch komplett zugeschwollen, sind selbst aktive Druckausgleichsversuche vergebens, weil einfach keine Luft mehr hindurch kommt. Das hat zur Folge, dass aufgebauter Druck im Ohr nicht mehr verschwindet: Die Ohren „gehen zu“ und – was noch viel schlimmer ist: – nicht „wieder auf“. Das kann zu starken Ohrenschmerzen und Hörproblemen führen.

Schlimmstenfalls droht ein sogenanntes Barotrauma, das sehr schmerzhaft sein kann: Risse und Blutungen im Trommelfell.

Was Sie beim Fliegen mit Erkältung unbedingt wissen und beachten sollten

Auch wenn die größten Probleme normalerweise nicht beim Starten, sondern während des Landens entstehen: Wer erkältet ist, sollte die Druckausgleichsversuche des Mittelohrs sowohl beim Start als auch bei der Landung durch kontinuierliche Kaubewegungen unterstützen. Am besten ist es, wenn Sie nicht nur kauen, sondern auch schlucken. Zum Beispiel, indem Sie statt des üblichen Kaugummikauens lieber einen mitgebrachten Apfel essen.

Mit Erkältung fliegen – was kann passieren? Die AOK PLUS bietet Infos, wann man mit Schnupfen & Co. in ein Flugzeug steigen und wann man es lassen sollte!

Mit Erkältung fliegen: Wichtig ist auch, während des gesamten Fluges viel zu trinken.

Darüber hinaus empfiehlt sich die Anwendung von Nasentropfen oder Nasenspray, um die Schleimhäute zum Abschwellen zu bringen. Insbesondere vor dem Landeanflug sollten die abschwellenden Mittel rechtzeitig angewendet werden. Denn beim Sinkflug steigt der Außendruck stark an, so dass im Mittelohr ein Unterdruck entsteht. Aus diesem Grund ist es beim Landen noch schwieriger, wieder Luft hinein zu bringen und somit für den nötigen Druckausgleich zu sorgen.

Achtung: Falls Sie trotz Erkältung geflogen sind und anschließend Ohrenschmerzen haben oder schlecht hören, suchen Sie bitte sofort einen Arzt auf!

So können Sie überprüfen, ob der Druckausgleich trotz Erkältung funktioniert

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie den Flug antreten sollen oder nicht, können Sie einen einfachen Test durchführen: Halten Sie sich die Nasenlöcher zu und blasen Sie Luft in die Nase, als würden Sie in ein Taschentuch schnauben wollen. Wenn es nun in den Ohren knackt und diese sich anschließend wieder frei anfühlen, funktioniert der Druckausgleich. Wenn nicht, sollten Sie von einem Flug sicherheitshalber lieber Abstand nehmen.

Im Zweifelsfall fragen Sie bitte Ihren Hausarzt oder nutzen Sie den Beratungs-Service der AOK PLUS: Unter der AOK-Clarimedis Ärzte-Hotline 0800-2266550 steht Ihnen ein kompetentes Team von Fachärzten, Krankenschwestern und Pharmakologen zur Verfügung. Ob Gesundheitsfragen rund um Flugreisen, Detailinformationen zu Therapien oder Adressen von Spezialkliniken: Hier bekommen Sie Antworten auf alle Fragen zum Thema Gesundheit. Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr – und für alle AOK-Mitglieder kostenlos: Einfach Ihre Gesundheitskarte bereithalten, Ihre Versichertennummer angeben – und Ihre Gesundheitskasse übernimmt die Kosten für Sie!

Was tun, wenn Sie trotz Erkältung und negativem Druckausgleichstestergebnis fliegen müssen?

In Extremfällen (wenn der Druckausgleich nicht funktioniert, Sie aber trotzdem unbedingt fliegen müssen) konsultieren Sie bitte einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt: Der HNO-Arzt kann – mit einem kleinen Schnitt ins Trommelfell – ein sogenanntes Paukenröhrchen einsetzen, das eine Dauerbelüftung ermöglicht.

Informationen über die Reiseapotheke erfahren Sie hier.

Die AOK PLUS, Ihre Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen, wünscht Ihnen gute Besserung, einen guten Flug und einen erholsamen Urlaub!